_Unter_striche_sind_nicht_tot_zu_kriegen_ (Unterstriche sind nicht tot zu kriegen)

Unterstriche sind hässlich, unleserlich, unzeitgemäß und sie erinnern mich zudem an die DOSen-Welt von DOS und Windows. Im Grunde gehen sie mit letzteren nicht nur eine optische Symbiose ein. Und: sie sind umständlich einzutippen und kein halbwegs modernes System benötigt sie.


Damals, zu Zeiten von Unix und DOS war es bei der Befehlseingabe im Terminal oder im DOS-Promt gang und gäbe, Unterstriche zwischen zwei Wörtern zu verwenden, da Leerzeichen insofern nicht erlaubt waren, da diese als eine Art Kennzeichnung verwendet wurden. Befehle und dazugehörige Parameter wurden nämlich durch Leerzeichen gekennzeichnet. Wenn da etwa in der Unix-Shell stand:

chmod -R g -rwx,

so bedeutete dies, dass chmod (ein Programm um die Benutzerrechte zu verwalten) mit den dahinterstehenden Parametern, die jeweils durch ein Leerzeichen getrennt sind, arbeitete. Ein Leerzeichen bedeutete für das Programm quasi: jetzt kommt der nächste Parameter.

Soweit so gut. Das Dateisystem von MS-DOS konnte mit 8 Zeichen plus 3 (die Dateiendung damit die DOSe wusste, um welche Art von Dokument es sich handelte) umgehen. Leer- und Sonderzeichen waren auch im Dateisystem nicht erlaubt. So entstanden unleserliche Dateinamen in Großschreibung à la »ME_LI_BR.DOC«, was heißen könnte: »Mein Liebesbrief» im Word-Format. Aus diesem Grund »kultivierte« sich eine Schreibweise, die sich bis heute gehalten hat. Dabei konnte man bereits 1984 auf einem Macintosh »Mein ganz persönlicher Liebesbrief« schreiben. Auf die nervigen Dateiendungen wurde ohnehin verzichtet. Diese haben erst mit OS X auf dem Mac Einzug gehalten. Leider.

Nun, DOS gibt es schon lange nicht mehr … nur noch sein Nachfolger Windows: doch selbst dort kann man bereits seit Jahren a.) lange Dateinamen benutzen und b.) Leerzeichen und c.) Umlaute verwenden soviel man will. Trotzdem hat sich der unleserliche Kauderwelsch aus DOS-Zeiten bis heute gehalten und ist selbst in reinen Mac-Agenturen einfach nicht tot zu kriegen.

Schaut man in die Serververzeichnisse, bekommt man das wahre Grausen. Chaos pur. Wenn zudem noch Dateiendungen und der Verzicht auf Sonderzeichen hinzukommen, ist es mit der Lesbarkeit ganz vorbei. Leider propagieren viele Netzwerkadministratoren noch immer diesen Anachronismus und sorgen somit für Erhalt dieser Unkultur.

All das nimmt solch paradoxe Ausmaße an, dass ich selbst Photoshop-Daten in die Finger bekomme, in welchen die Ebenen-Bezeichnungen mit Umlauten und Unterstrichen benamt sind. Das macht in etwa genau soviel Sinn, als wenn ich auf die Paprikadose »Paprika_edel_suess« kritzele.

Gruselig!

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