Kahlschlag »Am Homburg«

Idylle von einst

Idylle von einst

Seit etwa zwei Jahren geht es dem Saarbrücker Waldstück Am Homburg ordentlich an den Kragen. Es wird gefällt was das Zeug hält. Ganze Bereiche fallen dem Forstbetrieb zum Opfer. Quasi brasilianische Zustände in St. Johann.


Manche Hänge gaffen einem bereits völlig kahl entgegen. An anderen Stellen ist die Bewaldung so ausgedünnt wie die Haarpracht eines 80 jährigen. Vereinzelte Bäume, wie Straßenlaternen, bleiben wie vergessen stehen – wartend auf das nächste Windchen …

Eine Stelle am Homburg ist mir besonders ins Auge gesprungen. Für ansprechende Fotos war ich jahrelang auf der Suche nach postkartenreifen (Saarbrücker) Waldmotiven. Gefunden habe ich sie insbesondere Am Homburg und glücklicherweise bereits fotografiert. Leider wurde auch dort gewütet. Die Förster waren sich der Schönheit dieser Stelle offensichtlich noch nicht einmal bewusst. Im heutigen Zustand wüsste ich nicht mehr zu sagen, in welche Richtung ich damals die Kamera gehalten habe. Nichts ist wieder zu erkennen. Die fehlenden Bäume hier, die tiefen Spuren der Forstfahrzeuge dort. Ein kleiner verwunschener Spazierweg (siehe Foto) ist nicht mehr auffindbar …

Das ist wohl durchdachte Forstwirtschaft, welche sowohl ökologischen als auch touristischen Gesichtspunkten gerecht wird; auf saarländisch eben. Vielleicht wurde auch nur mal schnell etwas mehr Holz gebraucht. Schließich war man mitten in der Schwenksaison …

Aktualisierung [1 Mai 2009]

Circa acht Monate sind seit dem letzten Eintrag vergangen. Der Wald kam seither nie wirklich zur Ruhe. Nun war ich seit längerer Zeit wieder Am Homburg unterwegs und es traf mich der Schlag. Die Abrodungsorgie geht in eine neue Dimension. Soweit das Auge reicht liegen Bäume rum, zum Teil schon halb verottet vom letzten Jahr, zum Teil transportbereit am Wegserand. Kahle Stellen, gefällte Bäume, wohin man schaut. Auch viele dicke, ca. 80 bis 100 Jahre alte Eichen und Buchen …

Selbst die Saarbrücker Zeitung berichtete vor wenigen Wochen über diesen Fall. Die vielen Stapel der Bäume, welche überall den Weg säumen, erinnerten mich lebendig an die Bilder von 1990 als der Orkan Vivian über das Saarland fegte.

Ansonsten, die Fotos sprechen für sich.

Aktualisierung [10 Mai 2009]

Gerade komme ich vom Schwarzenberg. Dort wurde ebenfalls zugeschlagen. Die Sicht reicht nun, unterhalb des Schwarzenbergturmes, dort wo früher dichter Wald herrschte, bis Frankreich. Der Einsiedlerhof am Scheidter Weg sieht sich nun plötzlich waldlos. Mehr Licht hat er jedenfalls. Unterhalb die Geräuschkulisse frei zur Straße, oberhalb ein nackter Hang. Der Brunnen, sonst um diese Jahreszeit eher am tröpfeln, gab ordentlich Wasser ab. Ein Zeichen der beginnenden Erosion. Beim nächsten Dauerregen bin ich gespannt was mit dem baumlosen Hang passiert … dann jammern alle – wie beim historischen Archiv in Köln.

Ich werde diesen Artikel an das Forstamt Saarbrücken weiterleiten und bin gespannt, ob man darauf reagieren wird.

Infos:

Städtische Forstabteilung

Amt für Grünanlagen
Forsten und Landwirtschaft
Meerwiesertalweg 140
66123 Saarbrücken
Tel.: 0681 38993-0
Fax: 0681 38993-31

Internet: Saarforst

SaarForst Landesbetrieb

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Von der Heydt 12
D-66115 Saarbrücken
Deutschland

Dr. Volker Wild
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