Nackt unter Freunden – Soziale Netzwerke

Schaut her - ich bin nackt!

Schaut mich an!

Anfang der 80er kam Birne mit seiner CDU an die Macht. Da wurde erst mal ordentlich das Volk gezählt. Millionen wehrten sich dagegen. Zeitungen wie DER SPIEGEL druckten geschickt umschrieben ab, wie man sich dessen entzieht. Auf Boykott stand so gut wie Knast. Heute, ca. 20 Jahre später, stellen sich Millionen freiwillig im Netz zur Fleischbeschauung und geben gar ihr intimstes preis; von der seelischen Notlage bis hin zum blanken Dingsbums. Der neue Exhibitionismus gehört zum guten Ton und das Zauberwort heißt Soziale Netzwerke alias Community.

Die Mischung ist bunt. Herr oder Frau geb. Exhibitionist, trifft auf ein Sammelsurium von Charakteren welche unterschiedlicher nicht sein könnten. Profineuro trifft Pickelhansi, welcher sich wiederum zum Ken aufbläst. Am Ende aber haben alle diverse Dinge gemeinsam: Langeweile, Einsamkeit, grauer Alltag, den Wunsch, nicht übersehen zu werden, usw. Kollektiv frustriert unter Millionen. Hallo ich bin’s, hört ihr mich?

StudiVZ, Facebook, MySpace, Wer Kennt Wen, so die bekanntesten Auffangbecken dieser sogenannten sozialen Netzwerke. Diese Netze sind zwar alles andere als sozial, denn hinter der Oberfläche steht der blanke Kapitalismus, jedoch erfüllen sie innerhalb der Gemeinschaft sicherlich eine Art solziale (Ersatz-)Funktion.

Ersatz für Familie, Freunde, Verein, Kirchen, etc. Virtueller Ersatz zudem.

Das Geschäft

Beispiel Facebook. Softwaremulti Microsoft schnappte sich 1,6 % an Facebook und zahlte dafür satte 240 Millionen Dollar. Hochgerechnet ist diese Firma somit 15 Milliarden Dollar wert. Soviel Irrsinn für die vier Jahre alte Firma des 23jährigen Havard-Studenten Mark Zuckerberg. Obwohl Facebook vergleichsweise gerade mal 150 Millionen Dollar Umsatz gemacht hat, utopische Summen. Die Blutgier liegt in den erhofften und gezielt platzierten Werbeeinnahmen. Das Prinzip welches Google so erfolgreich gemacht hat. Aber das gehört zum Thema Kapitalabsurdität und passt weniger zu diesem Artikel.

Die Community

Dass überall Gefahr und Verruf auflauern oder Multikonzerne damit Geld verdienen, stört die Gemeinde nicht. Nichts gegen die ein oder andere Öffentlichmachung in den Sozialforen; doch die Bekanntgabe der persönlichen Einzelheiten nimmt oftmals pathologische Zustände an. Im Vergleich dazu wirken Volkszählung und George Orwells 1984 geradezu lächerlich. Alles wird preis gegeben: Das Telefongespräch mit Mutti, die Konsistenz des letzten Stuhlgangs oder wie man es es am liebsten macht bzw. gemacht bekommt oder es gerne mal machen möchte … das digitale Poesiealbum für intimste Details – frei einsehbar für die ganze Welt.

Tätovierungen im Netz

Was mal geschrieben, bleibt geschrieben. Bei dem ein oder anderen Anbieter sogar per Vertrag: lebenslang. Außerdem: Google & Co. vergessen resp. löschen sowieso nix. Auch diese Zeilen nicht. Bei Arbeitrgebern ist es mittlerweile usus, sich die Bewerber erst einmal im Internet zu begutachten. Ein Pseudonym tut not, doch viele Dienste erlauben erst gar keine Spitznamen.

Wann eigentlich kommt endlich »Wer Mit Wem«?

Links:
tagesschau.de
DIE ZEIT

Hinweis

Dieser Beitrag wurde in in Zusammenarbeit mit dem Potcast Studio 3 verfasst. Jeder erstellt seine eigene Version dieser Thematik und verlinkt jeweils auf den anderen. Studio 3 ist ein interessanter Audioblog. Reinhören lohnt sich.


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