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Interview mit Roland Baader

Interview mit Roland Baader aus der Reihe »Streiflichter des Lebens«.

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Buchbesprechung: »Geldsozialismus – Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression« von Roland Baader

Colosseum in  Rom

»Brot und Spiele« Quelle: Wikipedia

Heute möchte ich ein Buch vorstellen: »Geldsozialismus – Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression« des kürzlich verstorbenen Autors Roland Baader. Baader starb im Januar 2012 nach längerem Leidensweg an Krebs. Der Autor war gleichermaßen bescheidener Bürger wie wortgewaltiger und unbequemer Mahner. Die Thematik seiner Werke war mir nicht unbekannt und von daher stieg ich auch nicht ganz unvorbereitet in meine erste Lektüre aus der Feder dieses Autors ein. Dennoch war ich als Leser wie vor den Kopf gestoßen. Geldsozialismus war sein letztes Werk, erschienen 2010 im Resch-Verlag.

Von den vielen politischen Büchern die ich gelesen habe, ist Geldsozialimus eines, welches mich nachhaltig beeindruckt hat. Nach lesen dieses Buches sieht man die Welt mit anderen Augen. Ob man daran glaubt oder nicht. Dieses Buch, bzw. die Thematik der sog. Österreichischen Schule (später dazu mehr), hat mein politisches Weltbild völlig auf den Kopf gestellt, nicht weniger. Oberflächlich betrachtet ist es bloß ein Buch über Ökonomie. Im großen und ganzen aber philosophisch. Es geht um nichts weniger, als um die menschliche Zivilisation, deren Dasein wie Überleben. Laut Baader leben wir bereits in einer Art Sozialismus, da unsere Marktwirtschaft mittlerweile zum Großteil sozialistisch sei und somit erst für die großen Blasen in Form von astronomischen Manager-Bonis sorgen würde. Da man tagaus, tagein immer nur vom bösen Kapitalismus hört, klingt das zunächst einmal völlig daneben. Doch Baader versteht es, den Nebel zu lüften und erklärt an Hand vieler sich logisch erschließender Beispiele, warum das, was allenthalben als Kapitalismus tituliert und zurecht verteufelt wird, gar keine solcher sei – sondern das exakte Gegenteil. Nicht der Kapitalismus ufere aus, sondern der »politikverseuchte« Markt.

Bei den Begriffen »Marktwirtschaft«, »Kapitalismus«, »freie Märkte«, »Privatisierung«, usf. zucken die meisten Menschen unwillkürlich zusammen. Mir erging es nicht anders. Wer will das alles schon, die ungezügelten Märkte, den Raubtierkapitalismus, Heuschrecken, die gierigen Bänker und Boni-Absahner, die Schere, die die Armen und Reichen immer weiter voneinander trennt? Kaum jemand. Wenn der Reichtum des Einen auf der Armut vieler anderen basiert ist das nicht nur sozial ungerecht, sondern ein Verbrechen. Soweit ist das leider der status quo.

Jeder weiß es und jeder, oder fast jeder ist dagegen. Die Bürger sowie die Politiker. Alle, ob links oder rechts, sind sie damit nicht einverstanden. Die einen mehr, die anderen weniger mehr, viele aus reinem Herzen, andere aus Kalkül. Aber alle ziehen sie an einem Strang, wenn es um unser gesellschaftliches Grundgefüge geht. Damit meine ich nicht die zunehmend schwindende Demokratie, sondern das Gefüge aus Staatskörper, Politik, Geldwesen und Sozialstaat. Alle Parteien, auch, oder gerade auch die Linke, stehen zum, oder sind Nutznießer des Systems. Niemand stellt dessen Grundcharakteristika generell in Frage. Paradoxerweise fallen einem dazu die Begriffe der Alt-68er ein: das Schweinesystem oder Das System, auch wenn damit etwas anderes gemeint war. Von diesem System ausgehend, oder sagen wir doch besser wieder vom Staat, suchen die Parteien nach ihrem Königsweg. Der eine stochert eher hier rum, der andere dort. Aber alle bedienen sie auf mehr oder weniger gleiche Art das System (den Staat), oder besser gesagt: sie leben -, sie sind Teil davon. Teil unseres Systems ist natürlich auch die sog. Finanzindustrie. Und die sei, so gibt jeder Politiker vor, zu bekämpfen oder zumindest besser zu regulieren. Dennoch bleibt sie, wenn auch kontrolliert, Teil des Systemkörpers.

Doch was wäre, wenn nun plötzlich die Kritiker dieses Systems die eigentlichen Verursacher und Nutznieser sind? Wissentlich oder unwissentlich. Was ist, wenn die Rezepte der Systemkritiker nichts anderes sind, als das Feuer mit Benzin zu löschen und somit in Uniform der Feuerwehr zum Brandstifter zu werden? Was, wenn die Mahner dieses Gefüges ohne dieses gar nicht erst existieren würden? Was, wenn der Staat, der die Probleme des immer mehr ausufernden Finazkapitalismus nicht nur nicht lösen kann, sondern das Problem eigentlich erst ist, immanent? Was, wenn Staat und Bürger, die doch beide mehr Kontrolle und Einflussbereich auf die »Finazsysteme« fordern, um dieser Hydra doch noch Herr zu werden, mit ihren Mitteln den Brand nur noch mehr befeuern? Kann das denn alles sein? Wo ist da die Logik? Und außerdem: in den Medien ist doch immer nur vom ausufernden Kapitalismus zu hören. Da kann man selbst die Finanz-Journale aufschlagen.

Quo vadis?

Nun kommt Roland Baader ins Spiel. Baader gehört zur sogenannten Österreichischen Schule der Nationalökonomie, den Austrian-Economics. Die Schule ist um die 140 Jahre alt. Als Vater dieser Schule wird der Ökonom Carl Menger angesehen. Weitere Köpfe wie die Ökonomen Ludwig von Mises und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek, dessen Schüler Baader war, gaben der Schule ein internationales Profil. Der bekannteste Ableger ist der amerikanische Libertäre Ron Paul, der derzeit als Präsidentschaftskandidat der Republikaner auftritt. Baader selbst war »lediglich« der produktivste deutsche Sachbuchautor der Austrians. Ihre Philosophie ist so einfach, so logisch wie radikal. Bekannt ist sie nicht. Dazu hat sie zu viele Feinde. Antipoden sind die sog. Keynesianer. Die derzeitige Finanzwelt, weltweit, baut nämlich auf den Theorien (Deficit spending: Schulden machen um die Wirtschaft »anzukurbeln«) ihres geistigen Vaters John Maynard Keynes auf. In dieser Welt leben wir derzeit und ein jeder sieht, wohin die Reise geht …

Um Voruteilen gleich die Luft abzuwürgen. Der Kritisator ist weder reich noch sonderlich »liquide«. Im Gegenteil. Mit der Finazwelt habe ich nichts am Hut und auch keine klüngelhaften Interessan à la FDP. Dass nun ein Sojemand wie ich nicht in den Verdacht geraten sollte, aus Eigeninteresse heraus den Staatseinfluss am Finazsystem abzulehnen und deshalb libertäre Ideen (was man landläufig darunter versteht) vertitt, dürfte einleuchten. Aber wie sich später noch herausstellen wird, sind es gerade die Austrians, die, wenn man so will, dem kleinen Mann zugute kommen.

Zum Buch

Bevor ich in weiteren Artikeln ins Detail des Buches gehe, gebe ich an dieser Stelle bloß einen kurzen Abriss des Inhaltes wieder. Baader beschreibt was Geld ist, wie es im Laufe der Geschichte entstanden und gleichermaßen missbraucht wurde. Die Quintessenz des Buches könnte lauten: Durch falsches Geld läuft die Gesellschaft, die Menschheit, großen Gefahren entgegen: Armut, Hunger, Kriege, Totalitarismus. Baader bringt alle diese Gefahren immer wieder an den selben Ausgangspunkt zurück indem er darlegt, dass durch eine Melange aus (Falsch-)Geld und Machtmissbrauch, die Ursache für vielerlei Verwerfungen zu suchen ist. Letztendlich gehe es der Menschheit ums täglich‘ Brot und die Sicherstellung dessen. Gebe es dabei eine Versorgungslücke, drohe Unheil. Aufkommende Katastrophen seien bloß ein kausale Folge von kranker, staatsverseuchter Marktwirtschaft. Kurzum, die jetzige Welt steht vor einer großen Katastrophe, welche die große Depression der 30er Jahr weit in den Schatten stellen wird.

Nun könnte man das alles ignorieren und als panikartige Auswüchse eines Paranoiden abtun, ware da nicht das kleine Problem, dass Baader bereits zwei Mal Krisen exakt vorher gesagt hat, nämlich im Jahre 1992 die Krise des Euros, und 2004 die sog. Finanzkrise, als 2008 mit der Investmentbank Lehman Brothers Inc. die erste große Blase platze – im Übrigen ebenso der Austrian Ludwig von Mises die Depression der 30er Jahre damals als einziger vorausgesehen hat.

Um auf des Pudels Kern nochmals zurückzukommen, seien all diese Krisen dem sog. fiat-money zu schulden; Baader nennt es schlicht Falschgeld und die tatsächliche Schlud an der Misere seien nicht die sog. »freien Märkte«, die es laut Baader gar nicht gebe, sondern der »regulierende« Staat. Baader vergleicht unsere Situation mit dem römischen Reich und nennt das System aus Solzialstaat und Zentralbanken (Gelddruckmaschinen) Brot und Spiele.

Die Österreichische Schule lehnt den Staat mehr oder minder ab. Sie unterscheiden sich in sog. Nullstaater und Minimalstaatler. Baader war letzteres. Es geht ihnen um Freiheit, die Freiheit jedes einzelnen, der tun und lassen sollte wie ihm beliebt, so lange er keinem anderen damit schadet. Der kathegorische Imperativ von Kant. Dort wo der Staat zuviel Einfluß gewinnt, spielt er sich gerne als »Beschützer« auf obwohl er in Wirklichkeit »Täter« ist. Wir sollten wachsam sein, denn nicht selten endet die »fürsorgliche« Staatsmacht im Totalitarismus, nennt er sich Faschismus oder Kommunismus oder gar Demokratie. Große Kriege seinen, so die Austrians, mit richtigem (gedeckten) Geld gar nicht erst möglich, allenfalls für ein paar Wochen. Interessant hierzu ist, dass die Goldbindung des Geldes just am Vorabend des 1. Weltkrieges aufgehoben wurde.

Roland Baader aus dem Vorwort von Geldsozialismus:

In meinem Heimatstädtchen gibt es den Brauch, zur Fastnachtszeit lebensgroße Hexenfiguren auf Fenstersimse und Hoftore zu drapieren. Der Betrachter mag beim Anblick der schauerlichen Puppen an den Hexenwahn denken, der in Europa mehr als drei Jahrhunderte lang gewütet und tausende von grausam gefolterten und verbrannten Opfern gefordert hat. So wie wir Heutigen fassungslos auf eine solche Massenhysterie und einem derart irrationalen Wahn zurückblicken, die ganz Europa befallen hatten, so werden künftige Generationenen – falls die Menschheit an der Selbstauslöschung vorbei schrammt – unsere Zeit als Säkulum eines irrationalen Massenwahns sehen. Und die Gelehrten und Gebildeten werden sich fragen: […] Wie konnten sie – und praktisch auch alle anderen Völker – sogar dem Aberglauben verfallen und sich von ihrer politischen Eliten einreden lassen, dass man mit beliebig gedruckten Papiergeld den Reichtum der Nation erhöhen und das Wirtschaftswachstum beschleunigen könne, dass man sich »reich konsumieren« und »reich verschulden« könne? Wieso haben sogar die meisten Ökonomen jener Zeit diesem Wahn gefrönt und die Menschen nicht aufgeklärt, sondern sie – erneut – in ihr Verderben rennen lassen? Fragen von imenser Bedeutung, die der Lösung harren. Mag diese Buch einige wichtigen Antworten geben.

Im einem nächsten Artikel oder weiteren Artikeln werde ich mich an dem ein oder anderen Kapitel des Buches abarbeiten. Das nächste Thema ist Geld, Macht und Schulden.


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2 Antworten zu “Buchbesprechung: »Geldsozialismus – Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression« von Roland Baader”

  1. […] oder Mahnmal? Eigentlich hatte ich einen dritten Teil der Buchbesprechung, Geldsozialismus von Roland Baader, versprochen, doch nicht zuletzt auf Grund geringem Interesse seitens der Leser, […]

  2. […] ersten Teil der Buchbesprechung stellte ich den Autor und dessen Schule, die sogenannte Österreichische Schule […]

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