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Interview mit Roland Baader

Interview mit Roland Baader aus der Reihe »Streiflichter des Lebens«.

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Mein Abschied von »DIE ZEIT«

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Wenige Wochen nachdem ich die Wochenzeitung DIE ZEIT abbestellt hatte, fiel mir auf, dass ich auch online, gleichwohl ähnlich, keine Mitgliedschaft mehr besitze. Nicht aus dem gleichen Grund. Die Kündigung hatte mit meinem Online-Account nichts zu tun. ZEITonline hatte diesen schlicht und ergreifend gesperrt.

Dies schrieb ich der ZEIT als Begründigung zu meiner Kündigung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte das Abonnement DER ZEIT fristgemäß zum nächst möglichen Zeitpunkt kündigen. Wenn von Interesse, so nehmen Sie meine im folgenden aufgeführte Gründe zur Kenntnis.

Die ZEIT hat sich vom liberal-kritischen Blatt der Mitte, dem medialen Mainstream des linken und politisch korrekten Spektrums angepasst: Spiegel, Stern, tagesschau, SZ, bis hin zur FR. Zunehmend kann ich weder den Geist einer Dönhoff oder eines Bucerius, noch ihren viel beschworenen Dualismus erkennen, wofür ich DIE ZEIT immer geschätzt habe. Gerade Letzterer hat enorm an Federn gelassen und ist bis auf die Etikette nicht mehr zu erkennen.
Unübersehbar wurde der Richtungswechsel der ZEIT im Zuge der Debatte zum Thema Sarrazin. Hier konnte die ZEIT zur medialen Meinungsdiktatur weder etwas entgegensetzen, noch war sie offensichtlich dazu gewillt. Selbst ein Helmut Schmidt scheint kein Garant mehr für eine gewisse Ausgewogenheit der ZEIT zu sein, oder ist er es gar noch? Wenn ja, auf was müssten wir uns für die Zukunft noch einstellen? Nein, dann griffe ich lieber gleich zum Original und läse die Leitartikel eines Heribert Prantl.

Äußerst irritierend wird es hingegen, linkspopulistische Artikel einer gewissen Andrea Dernbach lesen zu müssen, oder via YouTube auf ihren Ressortleiter des Feuilleton Jens Jessen zu stoßen, wie er mit dem Konterfei Lenins im Hintergrund zu den U-Bahn-Gewalttaten seine Meinung feil bietet.

Die Frage ist, inwieweit die ZEIT im journalistischen Einheitsbrei schwimmen, oder sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen möchte, welche diese Wochenzeitung einst so herausragend von anderen Blättern unterschieden hat. Wenn Sie herausfinden möchten wo Sie einst standen, so empfehlen ich Ihnen dringend, Ihre Online-Leserkommentare nicht nur zu lesen oder gar zu zensieren, sondern auch zu analysieren. Geschätzte Zweidrittel davon scheinen offensichtlich nicht (mehr) in Ihr Horn tuten zu wollen und es würde uns nicht wundern, hiernach der erste zu sein, welcher der ZEIT deshalb aufkündigt.

Mit freundlichen Grüßen, Johann Notke

Nun, dies ist ein paar Wochen her und was den letzten Absatzt betrifft, gleichermaßen überholt. Überholt in bezug auf die Leserkommentare. Das von den erwähnten »Zweidrittel Leserkommentare« ist keine Zahl von mir, sondern stammt von der ZEIT selbst. Natürlich habe ich keine empirische Untersuchung gemacht, es sind bloß meine subjektiven Synapsen, doch ich bin mir sicher, dass sich bezüglich der Leserkommentare das Blatt vollends gewendet hat. Die Kommentare sind nicht mehr wieder zu erkennen. Es ergibt sich ein völlig konträres Bild und dieses zieht sich wie ein, im wahrsten Sinne des Wortes, roter Faden durch die (zugelassenen) Lesermeinungen: fast ohne Ausnahme wohlwollend den Leitartikeln entsprechend. Das geht sogar soweit, dass ich eine Anhäufung von Meinungen vorfinde, die von Genossen der Linkspartei stammen könnten. Nicht gerade die Ur-Klientel der einstigen ZEIT.

Was ist passiert? Ich weiß es nicht. Über die letzten Wochen hinweg fiel mir dieser Zustand mehr oder weniger unbewußt auf, bis ich irgendwann versuchte, einen Kommentar der mir gefiel, positiv zu bewerten. Um das Bewertungssystem benutzen zu können, muss man einen Zugang haben und das war der vornehmliche Grund meiner Verwenung gesessen – von ein paar wenigen eigenen Kommentaren einmal abgesehen. Doch plötzlich musste ich feststellen, mein Account funktionierte nicht mehr: er wurde »gesperrt«.

Warum, hat man mir nicht gesagt. Mein letzter Kommentar zu einem Artikel, der diesen Ausschlag gegeben haben könnte, liegt mindestens sechs Wochen zurück. Wie ich jetzt über Google festelelle, ist er nicht einmal mehr veröffentlicht worden. Ich hatte zu irgendeinem Thema einen ironischen Hinweis zur Clown-Union (ein YouTube-Kanal) mit dem Thema »Manische Culpathie« gepostet. Das war alles. Jetzt ist Der Kritisator dort nicht mehr erwünscht und er möchte es aus freien Stücken heraus auch bleiben. Meinugnswächtern und Paternalisten laufe ich nicht hinterher.

Schade um diese einst so qualitativ hochwertige Zeitung. Marion Gräfin Dönhoff und Gerd Bucerius würden sich im Grab umdrehen. Willkommen in der bunten Republik der Meinungsfreiheit. Willommen bei der ZEIT.


Themenverwandte Literatur:




Das linke Netz: Das Zusammenspiel zwischen der Wochenzeitung Die Zeit, dem Netz gegen Nazis, der Bundeszentrale für politische Bildung und der linksextremen Szene.

Was ist von einer staatlichen Behörde wie der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) zu halten, wenn diese sich im „Kampf gegen Rechts“ von Sympathisanten der linsextremen Szene vor den Karren spannen läßt, linksradikale Publikationen empfiehlt und auf eine Internetseite verweist, von der aus man zu Anleitungen für Brandbomben und Sabotageakte gelangt? Wie ernst meint Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), dem die Bundeszentrale untersteht, seine Forderung nach einer breiteren gesellschaftlichen Ächtung linksextremer Gewalt? Und wie steht es um die linksliberale Wochenzeitung „DIE ZEIT“, wenn diese linken Antifa-Journalisten eine Plattform bietet, um konservative Personen, Organisationen und Einrichtungen als „Nazis“ zu stigmatisieren? Die Studie „Das linke Netz“ untersucht das Zusammenspiel von „DIE ZEIT“, Bundeszentrale und linksextremer Szene beim Internetportal „Netz gegen Nazis“ und dem „Buch gegen Nazis“. Dabei fördert sie Brisantes zutage.


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6 Antworten zu “Mein Abschied von »DIE ZEIT«”

  1. […] Henning Papendorf 04.12.2012 at 23:40 · Antworten […]

  2. Thraex sagt:

    Bin ich also nicht der einzige der bei der ZEIT gesperrt wurde, auch ich habe nichts beleidigendes geschrieben, der letzte Post war nicht mal sonderlich ironisch, er bezog sich nur auf einen Kommentar der von der Redaktion empfohlen wurde (die ZEIT also eine klare Stellung bezog), dafür habe ich die Zeit kritisiert und schwups Account gesperrt, OHNE Ankündigung, OHNE Mitteilung. Ich muss noch dazu sagen, das ich die ZEIT Redaktion ein paar Tage zuvor, wie sie es wünscht, per eMail kritisiert habe (Kopie liegt vor), darauf hab ich natürlich keine Antwort erhalten.

    Aber sich dann ständig als Moralapostel hinstellen wenn zb Amazon Accounts sperrt, dort hat es wirtschaftliche Gründe die man durchaus nachvollziehen kann. Außerdem geht es bei Amazon „nur“ um Konsum (außer es werden Händler gesperrt), bei der ZEIT um ein im GG verbrieftes Grundrecht, als Leitmedium greift hier meiner Meinung nach nicht das Hausrecht.

    Aufgrund meines Falles und weil mir auch aufgefallen ist, dass Kommentare oft grundlos gelöscht oder gekürzt werden, habe ich mich beim Presserat (http://www.presserat.info) beschwert.

    Ich denke Leitmedien können nicht einfach Menschen aus der politischen Diskussion ausschließen, vor allen nicht, wenn die Kommentare der Redaktion nicht in ihr (Welt)Bild passen. Davon abgesehen, brauchen gute Postings schon mal 20 min.+ wenn man zb etwas recherchieren muss um die besseren Argumente zu haben, es steckt also nicht selten viel Arbeit in einigen Kommentaren, dieses Engagement wird so mit Füßen getreten.

    Liest man sich den Pressekodex durch stößt man auf einige Punkte wogegen die ZEIT und auch andere (Spiegel zb) verstoßen.
    http://www.presserat.info/uploads/media/Pressekodex_2013_01.pdf

    Meiner Meinung nach ist es auch Meinungsfreitheit sagen zu dürfen:
    „ich finde das scheiße“

    Sage ich das in einer persönlichen Diskussion kann das auch keiner mehr weg zensieren. Zur Meinungsfreiheit gehört ebenso, dass man anonym bleiben darf, auf einer Demonstration hänge ich mir ja auch kein Schild mit meinem Namen vor die Brust.

    So bin ich auch der Meinung, das diese totale Überwachung die freie Meinung stark einschrängt (Schere im Kopf), wenn ich mir also erst überlegen muss, ob ich das schreiben kann/darf, ist es nur noch ein kleiner Schritt zu totalitären Systemen.

    Nur scheinen das viele nicht zu verstehen und sagen dann Sachen wie, „ich habe doch nichts zu verbergen“.

    DAS wäre mal Aufgabe der Presse, den Leuten zu erklären, was eigentlich auf dem Spiel steht!

    Aber wenn es heißt:
    WOLLT IHR DIE TOTALE ÜBERWACHUNG?
    Schreien alle ….. JAAAAAA, bitte, bitte überwacht uns.
    (woran erinnert mich das bloß?)

    Die letzte Diktatur auf deutschen Boden ist gerade mal 25 Jahre her und schon vergessen.

  3. DschingisKhan sagt:

    In vielen Foren wird die ZEIT ‚Helmut Schmidts Euro Prawda‘ genannt.Bei der Zeit findet eindeutig Gesinnungs-Zensur statt – das ist allseits bekannt.

    Es ist wirklich dramatisch, wie sehr sich eine einst liberale Zeitung zum Negativen verändert hat. Der stets hoch-erhobene Zeigefinger der Redakteure und die moralinsauren, arroganten ‚Begründungen‘ der Zensoren sind wahrlich unerträglich.

    Und dann stellen die Zensoren der Z’EIT noch dreist den Artikel ‚Blogger gegen Zensur‘ ein, den der geneigte Leser selbstverständlich nicht kommentieren darf. Vielleicht sollten diese ‚Bessermenschen‘ zunächst ihren Heiligenschein putzen, der hat nämlich Flecken.

  4. Mir wurde gerade zum zweiten Mal ein account bei der Zeit gelöscht. Es ist müßig, den Thread zu nennen, aber es ging um eine Kommentierung eines Fotoartikels von Eremiten, die in China (in den Zhongnan-Bergen) leben.
    Natürlich wurde ich sprich meine Kommentare, die rein sachlich, nie personenbezogen oder beleidigend, rassistisch, politisch extrem oder irgendwie verunglimpfend sind, sondern immer eine spirituell-phliosophische Geistesrichtung des Advaita vertretend, positiv und kreativ denkend waren – siehe meine Webseite http://www.einheitsbewusstsein.de. – vorher bald ein Dutzendmal zensiert,
    Das für mich Interessante ist, dass auch mein account auf der Seite „GuteFrage.net“ gelöscht wurde, wo ich ausführlich, kompetent und akribisch Fragen zum Thema Meditation über zwei Jahre beantwortet habe und oft dafür gelobt wurde.
    Ich habe dann festgestellt, dass die ZEIT, die ja wirklich rigide mit der Meinungsfreiheit umgeht in Gestalt der Holtzbrinck-Gruppe ebenfalls Eigentümer der Seite „GuteFRag.net“ ist! Es scheint also eine bestimmte Geisteshaltung von ganz oben in der Leitung des Konzerns manipulierend auf die Leserstimmen einwirken zu wollen.
    Für mich ist die einzige Schlussfolgerung daraus, diesen Konzern mit all seinen Produkten komplett zu boykottieren und überall, wo es mir möglich ist, deren undemokratisches Verhalten anzuprangern.

  5. Joachim Haupt sagt:

    Ja, das geht vielen so. Aber was lehrt uns das:

    1) niemals Klarnamen benutzen (auch wegen der riesigen Rechtsunsicherheit und den exorbitanten Abmahngebühren in Deutschland), hier gibts Meinungsfreiheit nur für Reiche

    2) öfter mal einen neuen Alias mit neuer Mail-Adresse zulegen (geht bei GMX ganz gut, dort kann man sie auch nachträglich ändern)

    3) besonders wenn die mit den kleineren Gehirnen gerade zensieren (lv, vn, mk) bietet sich Ablenkung an: mit einem zweiten Browser (unangemeldet) wahllos alle Kommentare in allen möglichen Artikeln als „bedenklich“ melden, mit irgendwelchen schwer nachvollziehbaren Begründungen, die besonders die antrainierten political-correct Reflexe ansprechen (anti- -muslimisch,-semitisch,-religiös,-amerikanisch auch beliebt: revisionistisch, unangemessen, beleidigend, verschwörerisch, rechts/linksradikal, rassistisch usw.) ruhig auch mal mit dem Anwalt drohen 😉

    Autoritäre Praxis kann man nur mit subversiven Mitteln schlagen 😉

  6. Welehamm sagt:

    Hier mein Bericht über das Pressefreiheitsverständnis der einst so guten ZEIT. Bald hat sie das FOCUS-Niveau erreicht:
    http://www.friedemann-wehr.de/12,229,keine-zeit-mehr,item,0.html

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