Wurstkrieg um Dirk Nowitzki

Wurstteller

Damit du groß und stark wirst! (pixelio.de)


Da ich nicht besonders empfänglich für Klatsch und Tratsch bin, stolperte ich erst heute über einen »Skandal« welcher sich in den letzten Wochen zugetragen hat. Das neuste Neudeutsch dazu lautet: Shitstorm. Dieser Begriff würde glatt in meine Rubrik für Denglsihdoofness passen. Um was geht es? Es geht um die Wurst. Mehr noch, um Wurstkrieg. Vegetarier rüsten gegen Fleischfresser auf. Gestärkt durch die Political Correctness fühlen sie sich stärker denn je. Oh Heimatland! Da muss ich als langjähriger Vegetarier doch gleich mal Partei für die alliierte Fleischfraktion ergreifen.

Was ist passiert? Nun, die Bank ING-DiBa drehte mit Basketball-Superstar Dirk Nowitzki ein Werbespot, bei welchem er in seinem heimatlichen Wurstladen ein Stück Wurst geschenkt bekommt: So wie früher »damit du groß und stark wirst«. Haha. Soweit die Pointe des Spots. Daraufhin bildete sich auf der Facebook-Seite der Bank ein sog. Shitstorm entrüsteter Vegetarier und Veganer, woraufhin sich die Fleischfresser im Umkehrschluss ebenso herausgefordert sahen, kräftig mitzumischen. Ich hab’s nicht gelesen und vertraue ausnahmsweise einmal ungeprüft dessen, was ich in der Presse gelesen habe. Passen tut es ja. Nun hat die Bank nach 14 Tagen Krieg die Facebook-Seite geschlossen.

Ich selbst bin Vegetarier, weil ich meine Gründe habe. Andere essen Fleisch, weil sie ihre Gründe haben. Leben und leben lassen. Jetzt kommen diese Leute und zeigen mit erhobenen Zeigefinger auf die Fleischverzehrer. Ich will nicht schon wieder mit dem Thema Gutmenschen anfangen, aber es trifft in die exakt gleiche Kerbe. Es ist wirklich das Allerletzte. Diese lebensfremden und selbsternannten Sittenwächter bringen die Gesellschaft Tag um Tag einen Schritt näher an den Glücksstaat für Konsumverbote und Gehirnwäsche. Es sind die gleichen nachhaltigen Spießer, welche auf der anderen Seite jedwede berechtigte Kritik an Gefahren für unsere Gesellschaft arglos, mit ebenfalls erhobenem Zeigefinger und Nazikeule in der Hand im Keim ersticken. Es sind diese von Doppelmoral getränkten und mit Biowindel aufgewachsenen Gutmenschen, welche das Glück offenbar darin suchen, anderen Menschen Verbote aufzuerlegen, weil sie selber keine rechte Freude am Leben zu haben scheinen. Die Fraktion einer besseren, gleicheren und gerechteren Welt ohne Wehwehchen. Das Paradis bereits auf Erden. Fragt sich für wen. Ein imaginäres Bild dieser schönen, neuen Welt, welches mich unweigerlich an die kitschigen Illustrationen erinnert, die auf den Heftchen der Zeugen Jehovas abgedruckt sind. Diese MenschInnen unterscheiden sich von den von ihnen im Grunde selbst verachteten Spießer, welche mit Häckeldecke ausgerüstet auf der Fensterbank anderen Leuten hinterherschauen genau so wenig, wie ein Ei von dem anderen.

Sollte dieses menschenverachtende Gedankengut weiterhin solche Blüten treiben, so werde ich, wenn möglich öffentlichkeitswirksam, aus Protest Wurst essen! Aus 100 % Massentierhaltung versteht sich. Ich schäme mich ja richtig, Vegetarier zu sein.

So, und das erste was ich morgen mache, ich bestelle mir den 40teiligen Wurstkoffer der TITANIC.

Wurstkoffer

Wurstkoffer 40teilig (titanic-magazin.de)

Infos:
Facebookseite der ING-DiBa
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4 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Nicolas #

    Solch Menschenfeindlichen und faschistoiden Denkmuster sind leider Standard in den Köpfen vieler Mitbürger, und gesellschaftlich aktzeptiert. Die “Vegetarier-Fleischesser-Debatte” ist da ein Beispiel von vielen.

    Es fehlt an verschiedenen Grundelementen Demokratischen Denkens. Hierbei spielt mit Sicherheit die Bildung eine große Rolle. Ich besuche die 11. Klasse eines Gymnasiums und bei uns ist ein Großteil der Schüler Pro-Demokratisch und Tolerant eingestellt. Je weniger Bildung, desto mehr schwindet dieses Verständnis. Die Sozial Schwachen, die ohnehin als “Versager” auf die Hauptschulen abgeschoben werden, bekommen weder vernünftige Berufs und Bildungschancen, noch könnte sich bei ihnen ein umfassendes Demokratisches Geständnis etablieren.

    Doch nicht nur “solche” Menschen, sind von faschistoidem Denken durchzogen. Viele Deutsche aktzeptieren/verstehen den Rechtsstaat nicht, und sehen sich nach einem Rachestaat. Ich glaube, wenn es eine Abstimmung über die Wiedereinführung der Todestrafe geben würde, würden viele mit “ja” stimmen. Die Parole “Todestrafe für Kinderschänder” wird nicht nur von der NPD beworben – viele Bekannte von mir vertreten auch diesen Standpunkt, und können nicht verstehen, wie eine solch “Gerechte” Forderung mit Faschistischem Gedankengut in Verbindung zu bringen wäre.

    Die Fragen die sich mir nun stellen sind:
    1. Warum ist das so?
    2. Was kann man dagegen tun?

    Einfach nur auf den Pöbel schimpfen hilft ja auch nicht weiter.

    Was meinen sie?
    Gruß, Nicolas

    • Hierbei spielt mit Sicherheit die Bildung eine große Rolle. Ich besuche die 11. Klasse eines Gymnasiums und bei uns ist ein Großteil der Schüler Pro-Demokratisch und Tolerant eingestellt.

      Bildung hilft generell. Aber eher die alte Schule und nicht unsere totreformierte und eingefärbte Bildungspolitik. Doch in diesem Falle ist es irrelevant. Es sind ja eher die höher Gebildeten welche dem Vegetarismus fröhnen, und so sind wir schnell beim paternalistischen Denken.

      Ich weiß nicht, ob wir in Ihrem folgenden Text nicht aus der Kurve fliegen …

      Die Parole “Todestrafe für Kinderschänder” wird nicht nur von der NPD beworben – viele Bekannte von mir vertreten auch diesen Standpunkt, und können nicht verstehen, wie eine solch “Gerechte” Forderung mit Faschistischem Gedankengut in Verbindung zu bringen wäre.

      Auch diese Argumente sind paternalistisches Denken. Ich bin jedenfalls für die direkte Demokratie. Ich glaube, man könnte eine Fülle von kausal bedingter Probleme unserer Demokratie damit verhindern. Dass der sog. Pöbel gleich die Todesstrafe fordert, ist nur ein Mantra, welches die Elite von Politik und Medien aus Angst ihre Hoheit zu verlieren immer wieder herunterbetet. Ich habe über die Jahre ein anderes Bild des sog. »Pöbels« bekommern. Sorge bereiten mir eher die selbsternannten Paternalisten und Elitenkaste unserer Republik. Um die Kurve zum Leitartiklel wieder zu kriegen, waren es ja nicht der Pöbel, sondern die Intellektuellen und »besseren« Vegeratier, die den Shitstorm verursachten.

      Hierzu passt ganz gut die Lektüre des kürzlich verstorbenen Roland Baader: »Totgedacht – Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören«

      1. Warum ist das so?
      2. Was kann man dagegen tun?

      Weiß ich nicht! Das mindeste jedenfalls, man kann wählen gehen und zu seiner Meinung stehen.

      • Nicolas #

        Mhm, wenn ich so darüber nachdenke haben sie Recht mit ihrem 2. Absatz. Leider muss ich um darauf antworten zu können jetzt ebenfalls “aus der Kurve fliegen”, aber ich denke anhand meines Beispiels werden sie ihre Argumentation bestätigt sehen. Ein Beispiel für dieses Denken ist dieser Blogbeitrag: http://blog.rhein-zeitung.de/?p=4226

        Hier wurde den Schweizern die Unfähigkeit unterstellt, mit direkter Demokratie umgehen zu können. Jochen Magnus schreibt in den Kommentaren unter dem Artikel sogar: “Diese rechtspopulistische Aktion ist ein gutes Argument gegen mehr direkte Demokratie, gegen mehr Volksentscheide. Besser bleiben wir bei unserem repräsentativen System, denke ich”

        Die Angst, dass im Falle eines direkten Demokratie Grundrechte verloren gehen könnten, ist bei mir zwar noch leicht vorhanden, aber wenn ich mich jetzt an diesen Beitrag zurückerinnere frage ich mich, ob wir nicht eigentlich schon mit dieser Repräsentativen Variante viele freiheitliche Werte aufgegeben haben. Auch hier mussten sich besorgte Bürger, die keineswegs Rechts, geschweige denn Rechtsradikal eingestellt, und keineswegs was gegen Migraten hatten, sich als “Rechtspopulistisch” bezeichnen lassen. Schon eine Irre Welt in der wir leben: Die neue Linke fördert mit der Parole “Rechtspopulismus”, den Rechtsradikalismus, bzw, Linksradikalismus (Braune und Rote Faschisten).

        PS: Schön mal einen Blog zu lesen, wo man noch dazulernen kann, und seine eigene Meinung überdenken muss. Schreibe sie weiter so!

        Gruß, Nicolas

        • Hier wurde den Schweizern die Unfähigkeit unterstellt, mit direkter Demokratie umgehen zu können. Jochen Magnus schreibt in den Kommentaren unter dem Artikel sogar: “Diese rechtspopulistische Aktion ist ein gutes Argument gegen mehr direkte Demokratie, gegen mehr Volksentscheide. Besser bleiben wir bei unserem repräsentativen System, denke ich”

          Die ganze deutsche Presse hat doch so berichtet. Die bösen Schweizer waren für unsere Vorzeigedemokraten zu demokratisch. Oder schauen Sie sich die EU-Hetze bzgl. Ungarn an oder die Pöbeleien, als die Tschechen Slowaken vor kurzem »nein« gesagt haben. Das hat mit echter Demokratie alles nichts mehr zu tun. Wenn man das nicht selber reflektiert, ist man ganz schnell Mitläufer dieses Systems. Mir ging es bei Sarrazin ganz genau so, bis ich mir Gedanken darum gemacht habe, Dinge hinterfragt habe, Interviews von ihm angesehen habe und nicht zuletzt: das Buch gelesen habe.

          Hier eine Rede des Schweizer »Rechtspopulisten« und Minarett-Initiators Oskar Freysinger, Mitglied der »rechtspopulistischen« Schweizer SAP (stärktste Fraktion mit 26%) auf einer Veranstaltung der »rechtspopulistischen« Partei Die Freiheit über das Thema Direkte Demokratie. Ein weiteres Interview mit Freysinger gibt es hier. Sehr empfehlenswert!

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