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Interview mit Roland Baader

Interview mit Roland Baader aus der Reihe »Streiflichter des Lebens«.

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Buch: »Als Linker gegen Islamismus«! Offener Brief an Dr. Daniel Krause

Als Linker gegen Islamismus

Als Linker gegen »Islamismus«

Sehr geehrter Herr Dr. Krause,

über die einschlägigen, alternativ zu nennende Medien, insbesondere durch Internetblogs nach Gusto von PI & Co., erfuhr ich im Sommer 2012 von ihrem bedauerlichen, leider aber schon gängigen Fall, wie hierzulande mit politisch unkorrekten wie unbequemen Menschen umgegangen wird: Nazikeule drüber und kalt stellen! Da waren Sie natürlich nur einer von mittlerweilen Vielen, denn diese geliebte Waffe bekommt alles und jenes zu spüren, was auch nur wenige Millimeter von der reinen Lehre abweicht. Freund und Feind! Dabei reicht der Anwendungsbereich vom Öffentlichen Dienst bis hin zur Wikipedia. Dennoch brannte sich Ihr Name mit einer Besonderheit in das Gedächtnis jener letzter Verteidiger unserer gesellschaftlichen Grundwerte ein: Sie selbst bekannten sich nämlich politisch zu den Linksgrünen. Paukenschlag! Wir alle freuten uns darüber.

Es ist schon eine Seltenheit, dass ein Linksgrüner offen gegen die politische Korrektheit agiert, insbesondere dann, wenn es einer »ethnischen Minderheit«, in ihrem Fall dem Islam, an die Kandarre geht und/oder er gar quer zur offiziellen Meinung steht. Nicht dass Sie etwas Schlimmes gesagt hätten, als Sie sich damals spontan auf einer PRO-Demo gegen die Salafisten das Megafon ergriffen und ihrer Meinung freien Lauf ließen, nein, ihre Worte waren weder beleidigend, noch sind sie sonst übers Ziel hinaus geschossen. Es kam aber wie es kommen musste: Über die linksextreme Plattform Indymedia wurde Mittels Steckbrief [eine zeitgemäße Art der Stürmerkästen] eine Kampagne in Gang gesetzt, die Ihnen den Job kostete; bloß weil Sie gesagt hatten, Sie hätten vor dem Islam mehr Angst als vor vermeintlichen Nazis. Da nützte es Ihnen noch nicht einmal, sich als eine der Lieblingsminderheiten der Linksgrünen, nämlich als Homosexueller zu bekennen. Ihre unverblümten Worte waren schlicht zuviel und hier kennen Politik, Journaille und Justitia kein Pardon.

Jetzt, ein gutes halbes Jahr später, tauchte ihr Name wieder auf weil Sie ein Buch geschrieben hatten: Als Linker gegen Islamismus – ein schwuler Lehrer zeigt Courage. Ich las zwei aktuelle Interviews über das Buchprojekt, eines in der PAZ und eines in der CitizenTimes. Ich erfuhr, dass Sie seit einem halben Jahr vom Dienst freigestellt sind, bei vollem Gehalt. Dies aber bloß zu »Ihrem Schutz«. Überdies konnte ich mehr über Ihr politisches Weltbild erfahren, was für mich überaus aufschlussreich war. Sie lieben die 68er, welchen Sie u.a. die Befreiung der Homosexualität zurechnen und glauben weiterhin tapfer an das linke Weltbild. Man erfährt von Ihnen, wie sie sich über die (scheinbaren) Widersprüchlichkeit des linken Lagers Gedanken machen und wie Sie augenblicklich versuchen, die Dinge zurecht zu rücken.

In den Interviews sind Sätze von Ihnen zu lesen, die auf jeden linksgrünen Gutmeschpropagandisten und Politlobbyisten wie Sargnägel wirken müssen.

Der Islamismus ist die dritte große totalitäre Bewegung nach dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus. […] Zehntausende demonstrieren ohne konkreten Anlass „gegen rechts“, doch Islamisten veranstalten zu Tausenden ungestört ihre Kongresse. […] Insbesondere ins Bildungswesen des Landes Nordrhein-Westfalen gebe ich bedenkliche Einblicke. Ich helfe zu durchschauen, wie verfassungsbedenkliche muslimische Lobbystrukturen die rot-grüne Bildungspolitik vor sich hertreiben. […] Wir verraten unsere mühsam errungenen Werte an unsere ärgsten Feinde und loben jene gar als „multikulturelle Bereicherung“.

Ohne Kommentar. Das sitzt!

Schnell kommen in den Interviews aber auch die alten linken Klischees mit langem Bart zum Vorschein, insbesondere bei der Sicht auf das Christentum, der »Gleichberechtigung« und das verklärte Bild auf die 68er und somit die Linken selbst.

Seit meiner Jugend „brenne“ ich geradezu für „linke“ Werte: Gleichberechtigung von Frauen und Männern, von Homosexuellen und Heterosexuellen, gewaltfreie Kindererziehung und Trennung von Kirche und Staat. Ich liebe die Generation der 68er dafür, diese Werte in Deutschland etabliert zu haben. Dank dieser Werte kann ich als Homosexueller heute weitgehend gleichberechtigt leben. […] „Rechte“ oder christlich-konservative Islamkritiker spielen Religionen gegeneinander aus. Oft verteufeln sie den Islam, während sie das Christentum einseitig verherrlichen. Das finde ich intolerant. Als „Linker“ ist man ausgewogener: Ich kritisiere regelmäßig auch den Papst. Koran und Bibel sind gleichermaßen frauenfeindlich und homophob.

Da ich vieles davon von mir selbst kannte, begann sich just an diesen Punkten Widerstand zu regen, welcher letztendlich Ausschlag für diesen offenen Brief war. Dass Sie ein Opfer Ihrer Meinungsfreiheit sind, da sind wir uns sicherlich noch einig. Ich allerdings glaube, dass Sie (zunächst einmal) kein Opfer eines »Islamismuses« oder sonst irgendwas sind. Sie sind nämlich ein Opfer der Linken! Die von ihnen vermuteten scheinbaren »Widersprüchlichkeiten« sind keine Fehlzündungen im linken System, sie sind systemimmanent. Doch genau diese verteidigen Sie nun. Und gerade das ist widersprüchlich.

Ich muss gestehen, fremd sind mir Ihre gedanklich-rethorischen Spagate nicht. Ich zählte mich selbst Jahrzehnte kategorisch zum linken Lager. Irgendwann aber kommt man ins Grübeln und man beginnt, nach passenden Adaptern, Schanieren und Erklärungen zu suchen, welche die scheinbaren Widersprüche ins rechte (linke) Licht rücken könnten. Doch je tiefer man gräbt, desto mehr Ungereimtheiten tun sich auf. So war es zumindest bei mir und meine »Entlinksung« begann (unser beider kleinster gemeinsamer Nenner) schließlich mit dem Thema Islam. Weitere Themen kamen hinzu und so musste ich irgendwann zähneknirschend feststellen, kein Linker mehr zu sein, bzw. eingestehen, – und das war der härterste Brocken – jahrelang auf dem Holzweg gewesen zu sein. Das ist in unserer heutigen Gesellschaft natürlich kein Pappenstiel, denn alles was sich nicht freimütig zu »links« bekennt oder zumindest nicht grün angestrichen ist, kann ja nur »rechts« sein und schon hat man ein Problem. Und genau hier liegt auch einer meiner Hauptkritikpunkte der Linken. Es wird keine andere Meinung als die eigene geduldet und wer das Spiel nicht mitspielt, wird denunziert bzw. in die rechte Ecke gedrückt und somit politisch wie gesellschaftlich kalt gestellt.

Dass politisch »rechts« erst einmal nichts anderes ist, als nicht-links, muß man sich dabei bewußt vor Augen führen. Leider aber haben die Linken es geschafft, alles Nichtlinke als »rechts« und damit gleichermaßen als rechtsradikal zu brandmarken. Beispiel: So heißt es etwa lapidar »Rock gegen rechts!« und nicht »Rock gegen rechtsradikal!«. Das ist schlicht Propaganda. Dreht man den ürsprünglichen Begriff »Rechts« auf seine Normalität zurück, so muss man auch keine Angst mehr vor sich selbst haben, auch dann nicht, wenn man kein Linker mehr sein möchte oder kann. Dennoch, ich bin kein Rechter geworden, sondern bin, auf der Suche nach dem »Wohin?«, beim Gegenteil von Links und Rechts gelandet: bei den klassisch Liberalen, den sog. Libertären. Doch nicht der Zufall, sondern die Bewältigung unzähliger Artikel und Bücher in den letzten Jahren und nicht zuletzt die intensive Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen jenseits des Mainstreams, haben auch mein Bild der sog. 68er maßgeblich revidiert. Denn, das sollten Sie wissen, auch ich war ein Apologet dieser Bewegung gewesen.

Und so fällt meine Bewertung der 68er/Linken mittlerweile ganz anders aus. Ich spreche den Linken (den Alt- wie den Neu-68ern) ein großes Maß an Agitprop-Affinität zu und es ist nicht zuletzt die omnipräsente Unterstürtzung von Seiten der Medien, welche die 68er/Linken bis heute in derart positivem Licht stehen lassen. Für mich sind die 68er die zersetzerichste politische Ideologie seit den braunen Sozialisten. Das, was die Nazis gewissermaßen (gewollt oder ungewollt) von dieser großartigen Kulturnation noch übrig gelassen haben, haben die 68er, um eines ihre eigenen Schlagworte zu benutzen »zerschlagen«, oder sind immer noch dabei es zu tun: Hochkultur, Moral und Ethik, Wertesystem, Familie, Bürgertum, Christentum, Tradition, Bräuche, Flughäfen bauen … – ebenso Tugenden wie Ordnung, Disziplin, Respekt, Demut, Fleiß, Sparsamkeit, Bescheidenheit, Benimmregeln, usw. Man hat ohne Rücksicht auf Verluste allem Alten per se angekündigt, es zu »zerschlagen«, alte Tabus kategorisch abgeschafft aber dafür tonnenweise gesetzliche »Regulierungen« eingeführt. Willkommen bei »1984«. Auch in den Bereichen Bildung, Wohlstand, Technologie und insbesondere bei der (Meinungs-)Freiheit, befinden wir uns Dank der Linken (68er) auf der Überholspur des Rückschritts. Ebenso was das Thema Gleichberechtigung betrifft. Hier handelt es sich Mitnichten um Gleichberechtigung, sondern um ideologische Gleichmacherei, – von den Nazis noch als Gleichschaltung tituliert. Unter der Hand aber dient jene Sozialrethorik nur dazu, Privilegien auf Kosten anderer (umzu-)verteilen um damit die hauseigene Klientel besser zu stellen und das hat mit »sozialer Gerechtigkeit« so viel zu tun, wie Biokarotten mit Gummibärchen. Ebenso will die Linke auch keine Regelgerechtigkeit (gleiche Regeln für alle), sondern die Ergebnisgerechtigkeit (alle sollen zur gleichen Zeit am Ziel ankommen), sei es mit Zwang oder Gewalt. »Die 68er waren den 33ern ähnlicher, als es ihnen lieb sein kann!«, so der Historiker und Ex-68er Götz Aly in seinem Buch »Unser Kampf 1968«.

Wenn nun, wie Sie schreiben, die Linken »ausgewogender« differenzieren, dann sind die Christlich-Konservativen die besten Reggae-Musiker. Für gefährlich erachte ich es allerdings, Islam und Christentum in einen Topf zu werfen. Für mich als Agnostiker sind Christentum und Islam Paradebeispiele der Gegensätzlichkeit. Aber auch hier steht ihr Weltbild stark unter dem Einfluß der 68er-Propaganda.

Wir brauchen keine Linken, um Homosexuellen und Frauen gleiche Rechte einzuräumen. Dabei sind die Linken, wie Sie sicherlich wissen, kein Garant für homosexuelle Rechte, wie die Beispiele aus China, der DDR oder der Sowjetunion belegen. Diese Grundrechte sind nicht qua Definition linke Werte. Ebenso tappen Sie bei Begrifflichkeiten in die Falle, wenn Sie bspw. zwischen »Islam« und »Islamismus« unterscheiden. Gibt es etwa einen Wesensunterschied zwischen Terror und Terrorismus? In den Mainstream-Medien ist mittlerweile gar (negative Euphemismustretmühle) vom »fundamentalextremistischem Islamismus« die Rede. Dabei tun diese sog. »fundamentalextremistischen Islamisten« nichts anderes, als den Koran beim Wort zu nehmen. Ich muss Ihnen die einschlägigen Stellen sicherlich nicht rezitieren. Und wagen Sie nun einmal den unmittelbaren Vergleich, wenn es bspw. in der Bibel heißt, »liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!«. Was wollen sie mehr? Im übrigen betrachte ich Jesus nicht als frauenfeindlich, sondern als einen der ersten Frauenrechtler der Geschichte. Offensichtlich war er sich nicht zu schade, sich mit einer Hure zu vermälen.

Trotz Ihrer Einblicke in den Islam, wie können Sie es rechtfertigen, ihn auf eine Stufe mit der christlichen Glaubenslehre zu stellen? Unser ganzes westlich freiheitlich/humanistisch geprägtes Menschenbild, samt unserer (ehemaligen) Erungenschaften in Bildung, Kultur, Wissenschaft, Kunst und Technologie, sind ohne diese christlich geprägten Jahrhunderte schier undenkbar; nicht zuletzt für die 68er selbst! Warum dieser Hass? Wozu die Christen auf das Thema Homosexualität eindampfen? Selbst wenn man Ihnen »Homophobie« (ein dämlicher Begriff übrigens) unterstellt, hängen Christen etwa Schwule an Baukränen auf, wie im Iran oder unter Kubas Linken?

Wir leben seit etwa 40 Jahren in einer Art 68er-Republik. Der »Marsch durch die Institutionen« ist bis in die kleinsten Kapillaren vorgedrungen. Einst gegen das System auf die Straße gegangen, verkörpern die 68er samt ihren Nachkommen es nunmehr besser als ihre einstigen Klassenfeinde. Sie sind im System (Staat) aufgegangen wie ein Baby an der Mutterbrust. Zeitgeist und »Veröffentlichte Meinung« sind durch und durch Kinder dieser Bewegung; bis in weite Teile der CDU und FDP hinein. Das, was Sie nun als Missstände bzw. Widersprüche wahrnehmen, muss und kann nicht mit noch mehr linker Politik bekämpft werden, sie ist deren Ursache.

Sehr geehrter Herr Krause, vielen Dank für Ihren Mut, ihre Opferbereitschaft und Ihr Engagement. Das können wir alle mehr als je zuvor gebrauchen. Aber glauben Sie ernsthaft, sie seien bloß zu Ihrem eigenen Schutz vom öffentlichen Dienst befreit? Ihr Bild der Linken ist verklärt und daran sind maßgeblich Selbige tagtäglich daran beteiligt. Wagen Sie den weiteren Schritt und machen Sie sich nichts vor. Systemfremde Berührungen haben Sie ja bereits gemacht. Tauchen Sie weiter ein. Sie werden sich zunehmend besser fühlen und vielleicht heißt ihr nächstes Buch dann: »Warum ich kein Linker mehr bin!«.

MfG, Johann Notke

P.S. Bezüglich der verklärten 68er empfehle ich Ihnen auf Knien rutschend das Buch Unser Kampf: 1968 – ein irritierter Blick zurück von Götz Aly.


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2 Antworten zu “Buch: »Als Linker gegen Islamismus«! Offener Brief an Dr. Daniel Krause”

  1. DM sagt:

    Man könnte Ihren Aussagen völlig zustimmen, wenn Sie nicht einen ähnlichen Fehler wie Herr Krause machten, indem Sie Ihre agnostische angebildete „Meinung“ zu Jesus Christus als common sense in den Text einflechten: Ein Sakrileg, möchte ich in diesem Fall als Christ sagen ;)!

    • Wie soll ich das verstehen? Sie stimmen meinem Artikel nur dann zu, wenn ich christlich gläubig wäre? Überhaupt: Agnostiker zu sein ist keine »angebildete Meinung«, ebensowenig es keine Meinung ist an einen Gott zu glauben, sondern Glaube. Ach ja, Common sense ist wohl eher der Atheismus. Ein Sakrileg, gleiche Denkfehler wie Herr Krause? Ich verstehe nicht, wo Ihnen der Schuh drückt.

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