Jun
25
2010

Was macht denn eigentlich Microsoft?

Weichspüler

Neulich musste ich mal wieder kurz an einen PC. Auf der Kiste lief Windows Vista, also das nicht ganz aktuellste System von Microsoft doch in Sachen Benutzbarkeit vergleichbar mit dem neuen Windows 7. Viel hat sich diesbezüglich ja nicht getan. Ohne viel an dem PC machen zu müssen, fielen mir sogleich mehrere Usability-Bugs auf und plötzlich kam mir der Umstand in den Sinn, dass in letzter Zeit zunehmend immer weniger von Microsoft die Rede ist. So sei meine Frage berechtig: Was macht denn eigentlich Microssoft?

Das ist schon seltsam und wer hätte das noch vor nicht einmal einem Jahr gedacht. David Apple überholt Goliath Microsoft in Sachen Börsenwert. Schlägt man in der IT-Presse von Heise, Golem oder Ars Technika nach, so ist zwar immer mal wieder etwas vom Riesen aus Redmond zu lesen, doch die echten, heißen Themen haben mit Microsoft nichts am Hut. Google, Apple, Adobe, HTML5, Chrome, Flash, Multitouch, Smartphones, das iPhone und iPad, usw. sind die Schlagworte – aber Microsoft? Fehlanzeige! Allenfalls hier und da eine Ankündigung oder Präsentation eines unfertigen Produktes welches allenfalls verdeutlicht, wie nervös man bereits ist und wie weit MS bereits den Trends nachhechelt.

Doch zunächst zurück zum meinem 5-minütigen Rendevouz mit Windows. Exemplarisch sei nur ein einziges Beispiel erwähnt. Als ich nämlich auf dem Desktop des PCs die Icons mit der Maus überfuhr, bildete sich ein Rahmen, also eine Art Highlighting um diese, und machten so quasi einen Button aus dem Icon. Gar nicht mal so schlecht dachte ich und intuitiv klickte ich nicht doppelt, sondern nur einmal auf das Icon, wunderte mich aber anschließend, warum die geklickte Applikation nicht geöffnet wurde. Microsoft symbolisierte hier zwar die Metapher eines Buttons, doch von der Funktionalität war es mitnichten ein Button, sondern eben doch nur ein Icon welches sich beim Klicken so verhielt wie immer. Eine sinnfreie Verhübschung ohne darüber nachzudenken, welchen Sinn, bzw. Verwirrung eine solche Änderung stiften wird. Kleinkram aber symptomatisch.

Soweit so gut. Es war ja im Grunde nie anders, dass Microsoft insbesondere in Sachen Benutzbarkeit und Ästhetik zwar wollte aber nie konnte. Man kopierte, versuchte zu verschönern, bekam es aber nie wirklich überzeugend hin. Trotzdem aber gaben sie stets den Ton an. Sei es mit ihrer Marktmacht oder ihren aggressiven und zum Teil sogar illegalen Methoden. Stets gelang es ihnen, ihren Willen durchzudrücken. Und der war nicht Anwenderfreundlichkeit sondern Marktmacht. Doch momentan sieht alles ganz anders aus. Es scheint so, als könnten Microsofts Methoden nicht mehr greifen. Ein anderer Wind weht und den Fortschritt hat MS nicht nur wie immer verschlafen oder bewusst ausbremsen können (siehe Entwicklung des Webs), sondern diesmal scheint es so, dass Microsoft die Fälle wegschwimmen. Sieht man sich die aktuelle Führungsriege, allen voran CEO Steve Balmer an, so kann man sich kaum vorstellen, dass sich kurzfristig daran etwas ändern könnte. Ist der Riese aus Redmond bereits so unbeweglich geworden? Ohne eine radikale Veränderung des »System-Microsoft« wird MS keinen Fuß mehr in die Tür kriegen. Auf fast allen neuen Technologiemärkten hat Microsoft Unmengen investiert um mitmischen zu können, doch nirgendwo ist man vorne mit dabei.

Nun bröckeln auch noch die Marktanteile der alten Machtburgen weg. Der Internet-Explorer sinkt von Monat zu Monat in der Anwenderstatistik, die Basis des Betriebssystems, trotz guter Markteinführung von Windows 7 ebenso, Windows Mobile inklusive seiner x-fach vorhandenen Derivate, ist, obwohl als einer der ersten am Markt, Schlusslicht unter den mobilen Betriebssystemen. Sowohl technisch als auch in der Gunst der Anwender. Im kommenden Herbst will man abermals ein neues mobiles OS auf den Markt bringen, inkompatibel zu allen Vorgägerversionen … Die Softwarpakete sind nach wie vor überladen, zentnerschwer und folgen getreu der Microsoft-Philosophie: Je mehr Features an so vielen Stellen wie möglich, desto besser … Google, wahrlich kein Freund von Apple gab vor kurzem bekannt, kein Windows mehr einzusetzen. Die Mitarbeiter müssen Mac OS X oder Linux benutzen. Für den Einsatz von Windows braucht man gar eine Sondergenehmigung.

Der Computer-Welt kann es recht sein. Zu lange blockierte MS mit seiner Politik den Fortschritt mit schlechten, unbenutzbaren, teueren und nicht zuletzt hässlichen Produkten. Das einzige Ziel war das (erreichte) Monopol. Doch dieses bricht nun an allen Ecken weg. Der IT-Markt bekommt wieder frischen Wind und es ist spannend wie nie zuvor. Hoffentlich lernt man, auch Apple, Google & Co. aus den Fehlern der letzten 20 Jahre.

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